Г. Гунчевъ. Българската география до Освобождението

Г. Гунчевъ. Българската география до Освобождението

G. Gunсеv. Die bulgarische Geographie bls zur Befreiung

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DIE BULGARISCHE GEOGRAPHIE BIS ZU BEFREIUNG

Die anlässlich des vierzigjährigen Bestehens des Geographischen Instituts an der Universität Sofia und des zwanzigsten Jahrestages seit Gründung der Bulgarischen Geographischen Gesellschaft am 22. I. 1939 gehaltenen Rede an die Festversammlung.

Vor diesen Zeitabschnitte, die zu feiern wir uns versammelt haben, gibt es eine Reihe anderer, während welcher unsere Vorvater ein gleiches Interesse dafür gezeigt haben, mehr über ihr eigenes oder über die fremden Länder zu wissen. Wir werden nur einige wichtigere Momente aufzeigen, die die erdkundlichen Kenntnisse der Bulgaren während des betreffenden Zeitabschnittes kennzeichnen oder von der Beziehung sprechen, die sie damals zur Erdkunde besassen.

Von den altbulgarischen Schriften gibt es kein bis auf den heutigen Tag erhaltenes Werk besonderen erdkundlichen Inhaltes. In fast allen Arbeiten aus jenem Zeitabschnitt finden sich Namen von Gebieten, Völkern, Siedlungen, Flüssen, Gebirgen usw., die jedoch nicht an einer Stelle gesammelt und erläutert sind.

Aus der Zeit Simeons des Grossen (893-927) gibt es die interessantesten Berichte in dem Werke „Šestodnev" (Sechstage) vоn Jоаn Ехаrсh. Darin finden wir eine Beschreibung des Schlosses dieses bulgarischen Zaren. In einigen Abschnitten gibt es viele Kenntnisse physikogeographischen Wesens, in denen auf wunderliche Weise die biblischen Vorstellungen übеr die Schöpfungsgeschichte mit dеn Lehren des grossen altgriechischen Philosophen Aristoteles versöhnt sind.

Viel wertvolles geographisches Material befindet sich in den Heiligenleben. Darin wird wie bei jeder Biographie der Heimatort des Heiligen beschrieben, die Gebiete und Siedlungen erwähnt, in denen er gewirkt hat usw. So ist es mit dem Heiligenleben des hl. Kliment von Ochrid (aus dem 13. Jh.), mit dem des hl. Nikola den Neuen von Sofia, aus dem 16. Jh., abgefasst von seinem Zeitgenossen Маthеj Grаmmаtik. In derselben sind sowohl geschichtliche Kunden als auch eine Beschreibung der Stadt Sofia enthalten.

In der Lovečer Sammlung vom Jahre 1618 gibt es neben religiösem Stoff auch Berichte über die Völker der Erde, die auf 72 ½ gezeigt werden Interessant ist die Charakteristik, die jhnen gegeben wird, indem sie mit irgend einem Tier verglichen werden. Der Franzose ist ein Lowe, der Germane ein Adler, die Türke eine Schlange, der Bulgare ein Stier, der Serbe eine Wolf, der Grieche ein Fuchs usw.

Umfassende geographische Kentnisse besitzen im 17. Jh. die Bulgaren - hohen katholischen Geistlichen, was aus ihren Berichterstattungen (Relationen) gut ersichtlich ist. Ein grosser Teil derselben sind von dem Banatbulgaren Е. Fеrmеndžin, Franziskaner Mönch, in dem Buche „Acta bulgariae ecclesiastica” (Zagreb, 1888) gesammelt und herausgegeben. Vom geographischen Standpunkte aus am wertvollsten ist darunter die Relation vom Jahre 1640 des, Sofioter Erzblscl1ofs Реtеr Воgdаn Ваkšiс, geboren zu Čiprovec (NW-Bulgarien). Darin gibt er eine Beschreibung der Bulgarischen Länder in ihren ethnographischen Grenzen wie auch mehrere Mitteilungen über die Bevölkerung und ihre religiösen Beziehungen, über eine Reihe von Siedlungen usw.

Über grosse geographische Kenntnisse verfügte auch ein anderer katholischer Bulgare aus dem 17. Jh. der Marzianopolische Erzbischof Реtеr Раrеv oder Раrčеviс, der für die politische Befreiung Bulgariens von den Türken durch die Einmischung Polens, Österreichs und Venetiens gearbeitet hat.

Eine besondere Bedeutung haben die angesehenen Kämpfer aus der Zeit der bulgarischen Renaissance (1762-1878) der Erdkunde gezollt. Mit vollem Rechte haben sie sie als Lehrgegenstand erachtet, der zur Bildung des Nationalbewusstseins verhilft und der ausserordentlich notwendiges Wissen über die umliegende Welt vermittelt.

Das erste eigens geographische Buch unter der neubulgarischen Literatur ist das Lehrbuch von Nеорhit Нi1еndаrski Воsvе1i, das 1835 in Karagujevac erschien und „Zemleopisanie” (,,Erdbeschreibung”) betitelt war. Der Teil desselben, der die bulgarischen Länder betrifft, ist vollkommen ursprünglich, denn der Verfasser hat, um Unterzeichner für dieses und seine übrigen Bücher zusammenzubringen, viele bulgarische Städte und Dörfer bereist.

Das zweite Lehrbuch der Erdkunde ist vom Gründer der bulgarischen Periodischen Presse Коnstantin Fotinov unter dem Тitel „Obštoe Zemleopisanie” (,,Allgemeine Erdbeschreibung”) (Smyrna 1843) geschrieben worden.

Der Gründer der ersten bulgarischen Zeitung „Balgarski orel” (,,Bulgarischer Adler”) deren erste Nummer am 20. April 1846 in Leipzig erschien, Dr. Ivan Bogorov, hat drei Erdkundelehrbücher geschrieben. Ausserdem ist er Verfasser einer ausserordentlich wertvollen Reisebeschreibung „Einige Tage Wanderung nach bulgarischen Orten”, wichtig als Fundgrube für die Vergangenheit von 16 bulgarischen Städten.

Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts wird der Erforschung einzelner bulgarischer Siedlungen oder Gebiete, eine grössere Aufmerksamkeit zugewendet. In Zeitschriften, Zeitungen beste Errungenschaft in dieser Beziehung stellt das Buch von Stefan Zahariev ,,Geographisch-historisch-statistiche Beschreibung des Bezirks von Tatar-Pazardžik” (Wien 1870) dar.

Die erste bulgarische Karte wurde von Аlexander Наdži Russеt ausgearbeitet und in Strassburg im Jahre 1843 herausgegeben, betitelt: ,,Karte von Bulgarien, Thrakien, Makedonien und der angrenzenden Länder”. Nach ihr veröffentlicht im Jahre 1862 Dimiter Angelidev in Plovdiv eine Karte der Europäischen Türkei, die die erste vollkommen innerhalb der Grenzen Bulgariens ausgeführte Landkarte ist.

Grosse Verdienste um die Herstellung und Verbreitung geographischer Karten in den bulgarischen Landen vor der Befreiung (1878) erwarb sich Christo G. Danov. Im Jahre 1861

druckt er in Wien eine Wandkarte der Europäischen Türkei auf 4 Bogen. Darnach gab er einen Geographischen Atlas mit 24 Karten, einen kleinen Unterrichtsatlas mit 9 Karten, 7 Wandkarten, für jeden Erdteil еinе, eine mit beiden Erdhälften und eine mit den heiligen Orten heraus.

Im Lehrplan der Mittelschulen hat die Erdkunde vor der Befreiung einen besseren Platz eingenommen als bei dеn heutigen Lehrplanen.

G. Gunĉev

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