За произхода и значението на някои местни географски имена по средното поречие на р. Искър и района на Предбалкана

М. Мичев, Ив. Дуриданов. За произхода и значението на някои местни географски имена по средното поречие на р. Искър и района на Предбалкана

Michaïl Mitscheff, Iwan Duridanoff. Über die Herkunft und die Bedeutung mancher Örtlichen geographischen Namen im Mittelstromgebiet des Flusses Iskar im Vorderbalkanbezirk

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ÜBER DIE HERKUNFT UND DIE BEDEUTUNG MANCHER ÖRTLICHEN GEOGRAPHISCHEN NAMEN IM MITTELSTROMGEBIET DES FLUSSES ISKAR IM VORDERBALKANBEZIRK

Michaïl Mitscheff, Iwan Duridanoff

Zusammenfassung

Das Studieren der Herkunft und der Bedeutung der örtlichen geographischen Namen stellt eine schwierige und komplizierte Aufgabe dar. Solche Erforschungsart ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung, da durch die geographischen örtlichen Benennungen man die Vergangenheit dieses oder jenes Bezirkes aufdecken kann, als auch seine wirtschaftliche Gestalt, die Lebensweise der Menschen und den Charakter der Aussiedlung, ihre Volksangehörigkeit, und eine Reihe historisch-geographischer Besonderheiten, Diese Erforschungen werden von einem Umstand erleichtert, und zwar von dem, daß die geographischen Namen sich gewöhnlich im Laufe der Jahrhunderte erhalten, manchmal noch mehr, im Laufe der Jahrtausenden.

Bei der Erforschung der örtlichen geographischen Namen muß man eine komplexe Methode anwenden, da nur mit den gemeinsamen Kenntnissen der Sprachwissenschaftlern, der Historikern, der Geographen, der Ethnographen u. a. Spezialisten man vollwertige wissenschaftliche Ergebnisse erreichen könnte. Die Benutzung jeder anderer Methode führt zu einseitigen Erklärungen und Schlußfolgerungen.

Das Ziel des Aufsatzes ist, die Herkunft und die Bedeutung mancher unbekannten bis jetzt örtlichen geographischen Namen zu erklären, welche für eine verschollene rumänische Bevölkerung im Mittelstromgebiet des Flusses Iskar im Vorderbalkanbezirk zeugen. Diese örtlichen Namen vermehren das jetzt vorhandene Material in diesem Gebiete und können eine zuverlässige Grundlage für die Klärung des Problems der verschollenen oder slavisierten rumänischen Bevölkerung sein, welche vor einigen Jahrhunderten die Gebirgs- und Halbgebirgsgebiete bewohnten.

Der Bezirk, aus dem die hiergenannten örtlichen Namen gesammelt sind, die ganzsicher oder wahrscheinlich als rumänisch bestimmt sind, umfaßt gegen 40 Orten, welche nach ihrem wirtschaftlichen Charakter zu der Stadt Mezdra gravitieren (S. die beigelegte Skizze). Nicht in allen Dorfmarken sind solche geographischen Benennungen entdeckt. Deren Sammlung kann nur auf Grund einer Bewanderung der Gegend vollgezogen werden, so wie auf Grund einer Erkundigung bei der älteren Landbevölkerung, und durch Nachforschungen in den entsprechenden topographischen Blattern in M. I: 25 000.

Es werden als sicher oder wahrscheinlich rumänisch die folgenden geographischen örtlichen Namen betrachtet (nach dem Alphabet) — manche Namen sind noch nicht bekannt bis jetzt: Julavála, Keldér, Kostomár, Kukúi, Láula, Molei, Móschul, Muschát, Negarschtitza, Palimár, Pazúlja, Skaldinja, Slátina, Skúrta, Soárite, Tártar, Túrlata, Schatril (ihre Bedeutung ist in dem Aufsatz erklärt, wo auch betont ist von welchem rumänischen Wort ein jeder Name entstammt).

Neben den genannten Namen können auch die folgenden zugefügt werden: Walachisches Dorf, Walachisches Tal, Walachische Düngerorte, Walach, Walachischer Kranz, Walachischer Hügel; sie zeugen alle die Anwesenheit einer Einwohnerschaft von Walachen-Hirten.

Die genannten örtlichen Namen werden hauptsächlich in zwei Nebenbezirken getroffen — der erste links vom Flusse Iskar, im Dorfmark Zarevetz (ehemaliges walachisches Dorf) und der zweite — rechts, die Dorfmarke Kunino, Stojanowzi, und Radowene. Diese Benennungen sind sichere Quellen, die die volkseigene Angehörigkeit der Bevölkerung bestimmen, welche sie geschaffen hat. Unter ihnen ist für uns der Name Walachisches Dorf interessant, er zeigt, daß seine Bewohner, sogar seine Begründer, Walachen waren.

Walachisches Dorf figuriert unter dem Namen Großes Walachen in einem offiziellen türkischen Dokument vom XV. Jahrhundert, das 64 Hauswirtschaften besaß. Dieser Umstand führt uns auf den Gedanken, daß es sehr möglich ist, daß dieses Dorf noch während des zweiten bulgarischen Staates existierte (XIII. — XIV. Jahrhundert), in welcher Periode die Feudalmacht die rumänische Hirtenbevölkerung zwingte nicht ein Nomaden-, sondern ein seßhaftes Leben zu führen, d. h. eigene Dörfer zu haben; eines von denen ist ohne Zweifel Großes Walachen. Die Hirten konnten nur ais seßhafte Bevölkerung der völligen Feudalausbeutung unterworfen werden.

Im Schlußteil des Aufsatzes ist hervorgehoben, daß die behandelten örtlichen geographischen Namen, uns Anlaß geben zu behaupten, daß im XIII. und XIV. Jahrhundert, vielleicht auch früher, im Mittelstromgebiet des Flusses Iskar, neben den Bulgaren auch walachische Hirten gelebt haben, in deren Sprache manche slavische Lehnwörter eingedrungen sind.

Das Schicksal dieser nichtslavischer Bevölkerung, welche eigene Sprache, eigene Sitten und Gewohnheiten hatte, die eng mit ihrem Hauptlebensunterhalt — die Viehzucht —verbunden waren, bleibt für jetzt noch unbekannt. Aber Beweis für ihr Dasein sind die örtlichen, geographischen Namen, deren Herkunft und Bedeutung in dem resümierten Aufsatz besprochen sind.

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